Ein Stoppschild an einer Straßenkreuzung

Die ersten vier Wochen sind wie im Flug vergangen. Ich war in erster Linie damit beschäftigt, anzukommen – in einem neuen Land, in einer neuen Stadt, in einem neuen Job. Alles auf den ersten Blick gar nicht so anders als zu Hause. Auf den zweiten Blick dann aber doch. Wie gut, dass mich eine alte Bekannte begleitet – say hello again to Uschi.

Aber lasst uns mit etwas Positivem beginnen: Die Anreise war so problemlos wie ich wohl noch nie gereist bin. Einfach alles hat funktioniert – vom emotionalen Abschied am Bahnhof über den Zug, der pünktlich in Frankfurt am Flughafen war, den Flieger, der mich unversehrt nach Detroit gebracht hat, den Mietwagen, den ich ohne Schwierigkeiten abholen konnte, bis hin zur Wohnung, die ich ohne Probleme gefunden habe.

Dann kam die erste Nacht im neuen Zuhause. Und morgens um vier Uhr, als der Jetlag dachte, das reicht jetzt mit Schlaf, war ich dann – krank. Ich habe mich noch zum Einkaufen geschleppt und mit dem Notwendigsten eingedeckt – und dann erst einmal vier Tage mit Fieber im Bett verbracht. So hatte ich mir den Start nicht vorgestellt. Aber mein Körper hatte wohl genug von den letzten Monaten und nahm sich die Erholung, die er brauchte. Yay.

Und dann kam Uschi. Für diejenigen unter euch, die den ersten Teil der „Mission to Moni“ noch nicht verfolgt haben oder eine kleine Auffrischung brauchen: Uschi ist die strenge Stimme in meinem Kopf, die immer verlangt, dass ich nicht nur funktioniere, sondern mindestens Höchstleistung bringe. Meinen Wert unter Beweis stelle. Und die natürlich überhaupt nicht damit zufrieden war, dass ich die ersten zwei Arbeitstage meines Assignments im Bett lag statt im Büro zu sein. Zum Glück war mein Team verständnisvoller als Uschi und hat sich auch am Donnerstag noch gefreut, mich kennenzulernen!

Aller Anfang ist schwer.

Mein Anfang hier hat länger gedauert als ich mir gewünscht hätte. Denn eigentlich ist hier doch alles fast wie zu Hause – aber eben nur fast. Ich habe eine Weile gebraucht, um mich in meinem neuen beruflichen Umfeld einzufinden, um zu verstehen, was die Kolleginnen und Kollegen hier bewegt. Und auch, wo ich hier wirklich einen Mehrwert leisten kann. Mein altes Problem in jedem neuen Umfeld: Erkennen, welchen Wert ich habe. Nicht daran zweifeln, dass ich das wirklich kann, wofür ich hier bin. Geduldig mit mir sein. Und einsehen, dass andere mich bei weitem nicht so kritisch sehen wie ich mich selbst. Ich übe noch. Dabei ist Uschi nicht immer hilfreich. Die hätte natürlich am liebsten gehabt, dass ich von Tag 1 an Vollgas gebe und alle Antworten kenne – selbst wenn es gar keine Frage gibt.

Ich komme immer noch an. Es sind Kleinigkeiten, die anders sind. Aber gerade das gibt mir manchmal das Gefühl, in einer Art Paralleluniversum zu sein. Irgendwas ist verschoben. (Vielleicht wird dieses Gefühl auch noch verstärkt dadurch, dass ich die Serie „The Man in the High Castle“ für mich entdeckt habe.) Es fühlt sich nicht mehr ganz so illegal an, an der roten Ampel rechts abzubiegen, aber ein etwas seltsames Gefühl bleibt. Irgendwann werde ich sicher auch verstehen, wie die Reifenluftdruckprüfgeräte an der Tankstelle funktionieren. Ganz zu schweigen von Fahrenheit, Meilen und all den anderen Einheiten, die nicht in meinen Kopf reinwollen.

Und manchmal fühlt es sich richtig scheiße an, hier zu sein. In meinem Freundes- und Wahlfamilienkreis sind in den letzten Wochen ein paar Dinge passiert. Ich wäre gerne für Menschen da gewesen. Konnte ich aber nicht, weil ich auf der anderen Seite eines Ozeans bin. Mit sechs Stunden Zeitverschiebung dazwischen. Das ist ein mieses Gefühl. Aber es gehört zu der Entscheidung dazu, die ich getroffen habe. Vielleicht ist es das, was ich dieses Mal auf meiner Mission lernen darf – für andere da zu sein, ohne da zu sein.

Ich mache das Beste daraus. Zumindest versuche ich das. Weil Uschi sonst sowieso keine Ruhe gibt.

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Autor

moni@missiontomoni.de

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